ESG – mehr Nachhaltigkeit auf dem Immobilienmarkt

Ein Thema beschäftigt die Wirtschaft seit einiger Zeit sehr intensiv – die ESG-Richtlinien. Die drei Buchstaben stehen für Environmental, Social und Governance (zu Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung). ESG umfasst also sowohl soziale als auch ethische Aspekte.

23.08.2023 | Unkategorisiert

ESG-Richtlinien

Es geht um umfassende Nachhaltigkeit bezüglich des unternehmerischen Handelns und dessen Folgen für Umwelt, Unternehmensethik und soziale Verantwortung. Ziel ist es, Finanzströme systematisch hin zu nachhaltigeren Geschäftsmodellen zu lenken. ESG gilt für jedes unternehmerische Handeln und damit auch für die Immobilien- und Bauwirtschaft – denn rund 40 % aller CO2-Emmissionen entfallen auf Gebäude. Das Thema ist auch für Investoren immer wichtiger. Große Bestandshalter trennen sich zum Teil von nicht ESG-konformen Immobilien und fokussieren sich im Einkauf auf Objekte, die den ESG-Kriterien genügen. Auch Finanzierer achten immer mehr auf ESG-Kriterien der als Sicherheit hinterlegten Objekte – schließlich müssen auch Finanzierer selbst ihre eigenen ESG-Kriterien einhalten. In Europa sind Finanzmarktteilnehmer und nach der EU-Offenlegungs- bzw. Taxonomie-Verordnung verpflichtet offenzulegen, wie sie mit Nachhaltigkeitskriterien umgehen. Expertinnen und Experten erwarten daher, dass Produkte ohne ESG-Komponente langfristig zum Auslaufmodell werden.

 

ESG in der Immobilienwirtschaft

Wichtig sind die ESG-Kriterien primär beim Kauf von Objekten sowie bei Neubauten und Modernisierungen. Ein guter Platz in ESG-Rankings erfordert neben der Optimierung von Neubauten auch das Sanieren bestehender Objekte im jeweiligen Portfolio. Besondere Bedeutung haben die ESG-Kriterien für Investorinnen und Investoren, die ihr Kapital in verschiedene Märkte und Unternehmen investieren: Je höher der ESG-Score, als desto sicherer gilt das Investment. ESG im Real Estate erfordert daher klare Ratingstandards, um über alle Assetklassen hinweg den ESG-Zustand von Objekten zu erfassen und auf ausgewählten Ebenen zu vergleichen.

 

Auswirkungen von ESG auf Immobilien

Bereits jetzt gehen die Preise für energetisch schlecht aufgestellte Immobilien zurück. Das liegt vor allem daran, dass Objekte mit veralteter Energieversorgung von vielen privaten Käuferinnen und Käufern als wenig attraktiv eingestuft werden. Bei den aufgerufenen Preisen einer Immobilie sollten Verkäuferinnen und Verkäufer deshalb einen finanziellen Abschlag einplanen, in etwa der Höhe, die für eine energetische Sanierung des Objekts notwendig wäre. Bei größeren Objekten wie Mehrfamilienhäusern oder Wohnanlagen spielt das ESG-Kriterium selbst ebenfalls eine große Rolle. Institutionelle Anleger kaufen in der Regel keine Objekte mehr an, die nicht den ESG-Kriterien entsprechen.

 

 

ESG-Ratings

Die klassischen Finanzratings sind den meisten Menschen bekannt – die ESG-Ratings spielen bisher noch eine eher untergeordnete Rolle. Das ESG-Rating gibt Auskunft darüber, wie nachhaltig ein Unternehmen oder Finanzprodukt ist, und wie die ESG-Kriterien innerhalb eines Unternehmens umgesetzt werden. Investoren können auf Basis eines ESG-Ratings feststellen, ob ein potenzielles Investment die eigenen Anforderungen an ein nachhaltiges Anlagemanagement erfüllt. Für institutionelle Anleger haben ESG-Ratings seit einiger Zeit große Bedeutung, wenn es um Investitionsentscheidungen oder Risikoeinschätzungen geht. Das wird auch daran sichtbar, wie stark sich nachhaltige Investments mit ESG-Bezug inzwischen im Fonds-Bereich etabliert und zu den am stärksten wachsenden Anlagen entwickelt haben. Die Bewertung nach ESG ist eine Herausforderung, aufgrund der vielschichtigen Kriterien und Auslegungsbreite von Begriffen wie zum Beispiel Nachhaltigkeit – mit diesem Attribut oft pauschal geworben ohne fundierte Begründung als sogenanntes Greenwashing.

 

ESG-Berichte verpflichtend ab 2024

Um für mehr Transparenz und Einheitlichkeit zu sorgen, hat die EU eine Berichtspflicht in einem CSDR-Bericht (Corporate Sustainability Reporting Directive) ab 2024 beschlossen. Danach sollen mehr Unternehmen als bisher zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet werden. Die Berichtspflicht für Unternehmen soll ab dem 1. Januar 2024 für die Veröffentlichung von Geschäftsberichten greifen, die die Berichtsperiode 2023 betreffen. Dabei gilt die Berichtspflicht für alle Unternehmen, die mindestens zwei dieser drei Kriterien erfüllen: Bilanzsumme von mindestens 20 Millionen Euro, Nettoumsatzerlöse von mindestens 40 Millionen Euro, oder mindestens 250 Beschäftigte. Kapitalorientierte Unternehmen sind bereits ab zehn Mitarbeitenden in der Pflicht. Dazu wurden sogenannte ESG Rating-Agenturen eingeführt, die Informationen zu Unternehmensführung, Umweltschutz und sozialen Themen eines Unternehmens erfassen und analysieren.

 

ESG in der Immobilienberatung

Das Thema ESG ist ein komplexes Feld, insbesondere für Investoren mit einer langfristigen Anlagestrategie gilt es, verschiedene Aspekte zu berücksichtigen und zu gewichten. Unsere Expertinnen und Experten beraten individuell, wie Anleger ihr Immobilien-Portfolio optimal auf ESG ein- oder auch umstellen können. Gerne unterstützen wir unsere Kundinnen und Kunden dazu auch mit einer umfangreichen Analyse des jeweiligen Portfolios und einer daraus entwickelten optimalen Strategie. Kommen Sie gerne auf uns zu, um sich kompetent beraten zu lassen.

1. ESG kurz erklärt

E = Environment = ökologische Verantwortung und Umwelt = z.B. Umweltverschmutzung oder -gefährdung, Treibhausgasemissionen oder Energieeffizienz.

S= Social = Soziales = z. B. Arbeitssicherheit, Diversity, Gesundheitsschutz oder gesellschaftliches Engagement

G = Governance = Unternehmensführung = nachhaltige Unternehmensführung, z.B. Unternehmenswerte, Steuerungs- und Kontrollprozesse

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