Der Kampf gegen den Klimawandel hat mittlerweile nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Wirtschaft erfasst. In der Immobilienbranche haben umweltverträgliche Vorgaben und Maßnahmen bereits Einzug gehalten. Besonders bei Kapitalanlegern gewinnt die Nachhaltigkeit von Immobilien immer mehr an Bedeutung.

Maßnahmen für eine CO2-effizientere Energieversorgung

Um die Nachhaltigkeit von Immobilien zu gewährleisten, können unterschiedliche Maßnahmen beim Neubau oder bei der Sanierung von Bestandsimmobilien berücksichtigt werden. So lässt sich durch die Umstellung auf erneuerbare Energien bzw. CO2-neutrale Heizmethoden der Primärenergiebedarf der Immobilie signifikant senken. Hierunter zählen Biomasseheizungen, mit welchen Holzprodukte, Reststoffe aus der Forst- und Landwirtschaft, biogene Abfälle und Energiepflanzen zur Energiegewinnung genutzt werden. Des Weiteren gibt es Heizungssysteme auf Basis regenerativen Methans oder Wasserstoffs sowie Solaranlagen. Wärmetauscher bzw. -pumpen mit Strom aus erneuerbaren Energien kommen bei Neubauten ebenfalls häufig zum Einsatz.

Ebenso kann der Umstieg auf eine reine LED-Beleuchtung, der Einbau neuer Fenster oder die Dämmung von Dächern und Außenwänden zur CO2-Reduktion beitragen.

EU-Taxonomie – ein neues Nachhaltigkeits-Klassifizierungssystem

Die im Rahmen des Green Deals (Ziel: Klimaneutralität bis 2050) verabschiedete Taxonomie-Verordnung der EU tritt zu Jahresbeginn 2022 in Kraft. Darin beinhaltet ist ein Klassifizierungssystem zur Einstufung des Nachhaltigkeitsgrades, das künftig auch für Immobilien Anwendung findet. Zu erwarten ist, dass die Preisschere zwischen nachhaltigen Immobilien und nicht nachhaltigen Immobilien dadurch in den nächsten Jahren größer wird.

Dekarbonisierung von Immobilien

Um dem Klimawandel entgegenzuwirken, hat die Bundesregierung auch Maßnahmen zur Dekarbonisierung der Immobilienbranche erlassen. Der Strompreis soll künftig sinken, die Gas- und Ölpreise hingegen steigen. Energieeinsparende Gebäudesanierungen sollen durch Förderprogramme und steuerliche Abschreibungen unterstützt werden. So soll der Einsatz erneuerbarer Energien gefördert werden, während neue Ölkessel nur noch in Ausnahmefällen eingebaut werden dürfen.

Reduzierung von Emissionen

Ab 2026 sollen Immobilien zudem in das EU-Emissionshandelssystem (EU-EHS) einbezogen werden. Dies gilt als wichtiges Instrument zur Eindämmung des Klimawandels und zur kosteneffizienten Reduzierung von Treibhausgasemissionen. Emissionen von Gebäuden werden dabei in einem Handelssystem erfasst und entsprechend ihrer Höhe bepreist. Wer also CO2 ausstößt, muss künftig Zertifikate erwerben. Die Anzahl der verfügbaren Zertifikate am Markt ist begrenzt. Dadurch soll ein weiterer Anreiz zur Reduktion von Emissionen und den Umstieg auf nachhaltige Brennstoffe in Gebäuden gegeben werden.

Gebäudeheizung als Sorgenkind in Bayern

Auch der Freistaat Bayern will bis 2040 klimaneutral sein. Gerade beim Thema Gebäudeheizung besteht allerdings noch jede Menge Nachholbedarf. Bisher laufen noch drei Viertel der Heizungen in Bayern mit Öl oder Erdgas. Aktuell werden 39 Prozent der Heizungen im Bestand mit Erdgas betrieben, 36 Prozent mit Heizöl und nur 25 Prozent mit erneuerbaren Energien, wie Biomasse, Wärmepumpe oder Fernwärme. Sogar bei Neubauimmobilien werden noch immer Gasheizungen eingebaut – zu fast einem Drittel.

Gemäß den Hochrechnungen der Münchner Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) müssten 118.000 Heizungsanlagen im Jahr auf erneuerbare Energien umgestellt werden, um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen. Bei der Größenordnung entspräche das pro Monat in etwa einer Stadt wie Hof. Expertenschätzungen zur Folge wird das Ziel 2040 knapp verfehlt werden.

Fördermöglichkeiten für klimaneutrale Immobilien

Wie es im Bereich der Fördermittel für klimaeffiziente Gebäude weitergeht, ist nach dem  Stopp der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) der KfW  Ende Januar 2022 noch nicht klar.  Das Förderprogramm für die energetische Sanierung soll wieder starten.  Für Energieeffizienzhäuser nach KfW-40-Standard  soll ein neues Förderkonzept auf den Weg gebracht werden.  Für 2023 ist dann eine grundlegende Neuausrichtung der Förderung geplant.

Ausblick – Immobilienmarkt

Durch die neuen Vorgaben werden auch auf dem Immobilienmarkt mehr Anreize geschaffen, in nachhaltigere Immobilien zu investieren. Wer sich also früh mit dem Thema umweltverträgliches Wohnen auseinandersetzt und seine Immobilie im Sinne der Nachhaltigkeit modernisiert, kann langfristig eine Wertsteigerung erzielen. Aber auch aus Eigennutzersicht führt kein Weg an umweltverträglicheren Immobilien vorbei. Der frühzeitige Umstieg auf erneuerbare Energien ist bei steigenden CO2-Preisen in jedem Fall lohnenswert und schont langfristig den Geldbeutel.