Wer Regeln im Homeoffice beachtet, spart Steuern

Die einen nennen es ausgefeilt, andere hingegen irren durch den Dschungel aus Pauschalabzügen und geänderten Regelungen im Steuergesetz. Corona-Auswirkungen machen das Homeoffice attraktiv wie nie. Doch welche Änderungen sind zum Wohle des Angestellten und welche Neuerungen ergeben sich erst mit den kommenden Steuererklärungen? Informationen dazu kommen jetzt vom Steuerbüro Leonhard Mittermair aus Gars am Inn. Die gesammelten Fakten bringen Licht ins Dunkel rund ums Homeoffice und die steuerrechtlichen Auswirkungen, ersetzen jedoch keine steuerrechtliche Beratung.

So gelingt der Arbeitsalltag zu besonderen Zeiten

  1. Neue Homeoffice-Pauschale nur eine Übergangslösung? Grundsätzlich gilt: Jeder Steuerpflichtige kann eine Home­office-Pauschale von bis zu 600 Euro als Werbungs­kosten oder Betriebs­ausgaben abrechnen. Aber vor­erst nur für die Jahre 2020 und 2021. Noch mehr ist meist für ein häusliches Arbeits­zimmer drin. Nicht jeder hat in der eigenen Wohnung ausreichend Platz, um ein reines Arbeitszimmer auszuweisen. Steuerpflichtige, die sich keine große Wohnfläche leisten können und zuhause beispielsweise am Küchentisch arbeiten, haben geringere Möglichkeiten, steuerliche Erleichterungen in der Steuererklärung herauszuholen. Steuerliche Regelungen schaffen also Anreize, zusätzlichen Wohnraum zu beanspruchen, der in Ballungsgebieten allerdings oft knapp ist.
  1. Die Homeoffice-Pauschale. Bisher galt: Arbeitnehmer haben für die Jahre 2020 und 2021 die Chance, dass das Finanzamt erstmals für jeden Arbeitstag, der im Homeoffice geleistet wird, eine Pauschale in Höhe von 5 Euro anerkennt. Bedingung: An dem Tag waren Sie nicht an Ihrer Arbeitsstätte außerhalb der Wohnung. Insgesamt kann jeder für alle seine beruflichen Tätigkeiten bis zu 600 Euro im Jahr absetzen. Den Betrag haben Sie bereits mit 120 Homeoffice-Tagen ausgeschöpft. Mehr ist dann nicht mehr möglich, selbst wenn Sie mehr Tage daheim arbeiten. Wer die Homeoffice-Pauschale erhält, kann zeitgleich nicht gänzlich auch noch die Pendlerpauschale geltend machen. Dies ist nur dann möglich, wenn Sie tatsächlich eine Fahrt zur Arbeitsstätte im Betrieb nachweisen können. Viele nutzen ihr „Heimbüro“ in wechselndem Umfang: Mal intensives Homeoffice, mal die Fahrt in den Betrieb. Das Finanzamt schreibt hier vor, die Kosten für solche Zeiten getrennt zu ermitteln.
  1. Wenn es räumlich passt, können Sie ggf. ein direktes Arbeitszimmer geltend machen und mehr absetzen. Falls jeder in einer zusammen veranlagten Gemeinschaft jeweils die Voraussetzungen für ein „häusliches Arbeitszimmer“ erfüllt, kann auch jeder seine Kosten steuerlich geltend machen, bis maximal 1.250 Euro für jeden einzelnen, insgesamt in der Zusammenveranlagung bis zu 2.500 Euro.

So muss ein häusliches Arbeitszimmer aussehen: Sogar im Wohnungsflur können Sie sich das offizielle Arbeitszimmer grundsätzlich einrichten. Ein abgetrennter und durch Türen abschließbarer Raum erhält die Anerkennung als Arbeitszimmer. Die Küche oder das Wohnzimmer hingegen gelten für das Finanzamt nicht als Arbeitsraum. Der Raum muss nachweislich ausschließlich für die arbeitsrechtliche Tätigkeit zur Verfügung stehen. Nutzen Sie den Raum, den Sie als Arbeitszimmer in der Steuer geltend machen möchten, zu zehn Prozent oder mehr für private Zwecke, ergibt sich kein Vorteil in der Steuererklärung. Auch die zeitliche Nutzung hat entscheidende Auswirkungen: Sie können die Kosten für ein Arbeitszimmer nur dann ganz als Werbungskosten absetzen, wenn dort der Großteil des beruflichen Alltags stattfindet.

So setzen Sie Ihr Arbeitszimmer ab:  Sie können sich ein separates Arbeitszimmer daheim einrichten? Dann dürfen Sie anstelle der Homeoffice-Pauschale Ihre tatsächlichen anteiligen Miet- und auch Nebenkosten absetzen. Es muss ein mit Büromöbeln eingerichteter separater Raum sein, der fast nur zum Arbeiten dient oder aber zur beruflichen Weiterbildung. Sie haben jedoch zu beweisen, dass Sie zum größten Teil im Homeoffice arbeiten,  also mindestens drei von fünf Arbeitstagen pro Woche. Ist es Mittelpunkt Ihrer Tätigkeit, zählen die Kosten für diese Monate in großen Maßen.

So berechnen Sie die Kosten: Um die Ausgaben zu ermitteln, die auf das eingerichtete Arbeitszimmer entfallen, können Sie den prozentualen Anteil des Raumes im Verhältnis zur gesamten Wohnfläche ausrechnen. Dieser Prozentsatz ist dann ausschlaggebend für die laufenden Kosten, etwa Miete, Heizungskosten, Strom oder auch Müllabfuhr. Kosten für Ihre Nebenräume (Bad, Küche und Flurbereiche) werden nicht gemeinsam mit dem anerkannten Büro abgesetzt. Gerichtlich wurde entschieden, dass Kosten für gemischt genutzte Nebenräume nicht absetzbar erscheinen, wenn eine private Mitbenutzung im Alltag die Schwelle der sogenannten Unerheblichkeit überschreitet.

Homeoffice korrekt „abrechnen“

Steuerrechtlicher Tipp:  Sammeln Sie dennoch alle Ausgabenbelege für den Joballtag und trennen Sie die Zeiten und Kosten für Homeoffice und betrieblichen Arbeitsalltag. So können Sie die Aufwendungen für den Heimarbeitsplatz nachweisen.  

Bei Fragen zur steuerrechtlichen Praxis rund um Homeoffice und Corona-Alltag wenden Sie sich an Ihren Steuerberater.

Hinweis: Die Informationen zu diesem Artikel wurden uns von Dipl. Finanzwirt (FH) / Steuerberater Leonhard Mittermair aus Gars am Inn zur Verfügung gestellt. Der Bericht ersetzt keine steuerrechtliche Beratung und gilt nur als Sammlung derzeit geltender Möglichkeiten.